Aufgrund ihrer Vorteile und relativ fortgeschrittenen technologischen Reifegrades, werden SIBs als verlässliche Ergänzung zu LIBs betrachtet, welche sie jedoch langfristig nicht ersetzen werden.
Eine kürzlich veröffentliche Studie eines Forschungsteams der Fraunhofer FFB, der Universität Münster, der ETH Zürich und der Stanford University stellte fest, dass Batterietechnologien in hohem Maße aufeinander aufbauen. Es bestehen erhebliche Wissensflüsse innerhalb und zwischen LIB- und SIB-Batterietechnologien. Diese technologischen Interdependenzen basieren auf gemeinsamen Wissensverläufen über Materialkonzepte, Zellarchitekturen und Produktionsprozesse. Diese Wissensübertragungen können sowohl auf Produkt-, als auch auf Prozessebene festgestellt werden, was die Verflechtung von Fertigungs- und Designwissen über chemische Batterietechnologien hinweg unterstreicht. Bereits akkumuliertes Wissen aus LIB-Technologien beeinflusst somit laut den Forschenden maßgeblich die Entwicklung neuer Batterietechnologien wie SIBs.
Ein technologischer Neustart im Bereich der SIBs ohne vorherige Kenntnisse über Design, Funktionsweise und Fertigung von LIBs erweist sich somit als deutlich schwieriger als zuvor angenommen. Etablierte Marktakteure verfügen aufgrund von Erfahrungswissen, chemieübergreifenden Produktions- und Designkompetenzen sowie potenziell vorhandener Infrastruktur über strukturelle Vorteile gegenüber Neueinsteigern hinsichtlich der Forschung und Produktion von Next Generation Batterien. Dies kann zu erhöhten Markteintrittsbarrieren führen, da sie nicht auf Jahrzehnte gewachsenes Wissen sowie bestehende Infrastruktur und Wertschöpfungsketten zurückgreifen können.
Daraus kann geschlussfolgert werden, dass Unternehmen und sogar Länder, die bisher nicht zu den führenden Akteuren im Batteriemarkt zählen, dementsprechend bestehende technologische Pfadabhängigkeiten nicht ohne Weiteres umgehen können, indem sie direkt auf »Next Generation«-Batterien setzen.
Politik, Industrie und Forschung sollten Metall-Ionen-Batterien somit als wechselseitig abhängige Technologien betrachten und nicht als voneinander isolierte Wissenssysteme. Der Fokus sollte auf die Unterstützung integrierter Forschungs- und Entwicklungsmethoden sowie Plattformfähigkeiten gelegt werden, welche die Kompatibilität der Herstellung und das vorhandene Design Know-how über diverse Batteriezelltypen hinweg nutzbar machen.
Statt einer Post-Lithium-Ionen Ära zeichnet sich somit eher eine Phase technologischer Koexistenz und wechselseitiger Weiterentwicklung ab.