Wie Deutschland die E‑Mobilität beschleunigen kann: Wege aus dem Transformationsstau

Blogartikel | Industrialisierung & Produktionsmanagement

Das Bild zeigt eine E-Ladesäule
© Unsplash / Ratio EV Charging

 

 

 

Die Transformation zur Elektromobilität ist längst angestoßen, doch ihre Beschleunigung erfordert gezielte Maßnahmen entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Zwischen technologischer Exzellenz, wirtschaftlichem Druck und gesellschaftlicher Akzeptanz stehen Industrie, Politik und Forschung vor der Herausforderung, bestehende Strukturen neu zu denken. Im vergangenen Blogbeitrag wurde bereits beleuchtet, wie die aktuelle Positionierung Deutschlands im Elektromobilitätsmarkt einzuordnen ist und welche Einflussfaktoren dabei eine entscheidende Rolle spielen. Darauf aufbauend wird nun der Frage nachgegangen, welche Hebel maßgeblich sind, um die E-Mobilität nachhaltig voranzubringen und international wettbewerbsfähig zu gestalten.

Ansatzpunkte zur Beschleunigung der E-Mobilität

Die Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit in der globalen Automobilindustrie im Bereich der E-Mobilität erfordert eine grundlegende Umstrukturierung bestehender Geschäftsmodelle. Dabei ist es von Relevanz, den Kunden in den Fokus des Denkens zu rücken und Innovationen konsequent aus der Perspektive digitaler Konsumenten zu betrachten, um neue Mobilitätslösungen stärker an den Bedürfnissen der Verbrauchenden ausrichten zu können. 

Standardisierung, Kooperationen und digitale Innovation

Kooperationen in den Bereichen Technologie und Unterhaltung sowie markenübergreifende Standardisierungen sind notwendig, um Effizienz, Agilität und Flexibilität zu steigern, KI-gestützte Prozesse zu implementieren sowie Innovationszyklen zu verkürzen. Die globale und langfristige Wettbewerbsfähigkeit kann nur durch ein effizientes Kostenmanagement und strategisch fokussierte Investitionen wiederhergestellt werden, um eine Transformation zu finanzieren. Ergänzend dazu sind klare politische Rahmenbedingungen und gezielte Förderprogramme erforderlich, um die E-Mobilität in Europa nachhaltig zu stärken [1].  

Batteriekompetenz als strategischer Vorteil

 

 

Deutschland verfügt gemeinsam mit Frankreich und dem Vereinigten Königreich über den höchsten Wissensstand in der Batterieproduktion innerhalb der EU [2]. Dieses technologische Know-how bildet eine zentrale Voraussetzung für den weiteren Ausbau der E-Mobilität. Bislang gelingt es jedoch nur begrenzt, diese Expertise in eine international führende Marktposition zu überführen. Dieses sogenannte Valley of Death beschreibt die Diskrepanz zwischen der technologischen Forschung und Entwicklung an Universitäten und deren großindustrieller sowie globaler Kommerzialisierung. Diese Lücke gilt es gezielt zu schließen.

Eine Schlüsselrolle kommt dabei Technologietransfer-Fachkräften zu, welche den Übergang zwischen Theorie und Praxis verbessern können. Diese benötigen neben den funktionalen Kompetenzen, wie beispielsweise in den Bereichen des Rechtsmanagements, der Lizensierung oder der Gründung von Start-ups, insbesondere die Fähigkeit des unternehmerischen Denkens und Handelns. Zudem ist für einen erfolgreichen Technologietransfer auch die Unterstützung seitens der Forschungsinstitutionen elementar [3]

Das Bild zeigt das Heck eines E-Autos, welches gerade geladen wird
© Unsplash / Precious Madubuike

Gesellschaftliche Akzeptanz stärken

Neben technologischen Kompetenzen ist auch die gesellschaftliche Akzeptanz entscheidend. Elektrofahrzeuge müssen als sinnvolle, praktikable und zukunftsfähige Lösung eingestuft werden. Politische Maßnahmen und regulatorische Anreize, wie Kaufprämien, müssen daher konsequent an den Bedürfnissen der Verbrauchenden ausgerichtet sein, um ihre gewünschte Wirksamkeit zu erreichen. Forschungsergebnisse zeigen, dass Förderinstrumente auf zwei Ebenen ansetzen sollten, sowohl auf nationaler als auch auf regionaler bzw. kommunaler Ebene [4]. Darüber hinaus könnten neben politischen Maßnahmen zur Förderung von E-Mobilität auch zielführende Kampagnen ansetzen, welche den Verbrauchenden eine unverbindliche Nutzung von E-Fahrzeugen ermöglicht. Dies würde zu einer Senkung der allgemeinen Skepsis gegenüber der E-Mobilität beitragen und somit eine bessere Zugänglichkeit ermöglichen.

© Fraunhofer FFB

Vor diesem Hintergrund wurde die auslaufende Prämierung von E-Autos verlängert, welche sowohl bei einem Kauf als auch einem Leasingvertrag greift [5]. Ergänzend dazu wurde auch die Kfz-Steuerbefreiung für reine Elektrofahrzeuge bis 2030 verlängert. Fahrzeuge, die ab 2026 neu zugelassen werden, können so bis zu zehn Jahre von einer Steuerbefreiung profitieren [5].

Hightech Agenda Deutschland: Impulse für die Zukunft

Ein weiterer wichtiger Impuls für die Förderung der E-Mobilität stellt die »Hightech Agenda Deutschland« der Bundesregierung dar. Diese Innovationsoffensive soll technologische Innovationen gezielt vorantreiben und gleichzeitig die industrielle Wettbewerbsfähigkeit stärken. Im Fokus stehen sechs Schlüsseltechnologien, darunter auch Ansätze für eine klimaneutrale Mobilität. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf dem Ausbau der europäischen Batterietechnologie, wodurch ein höheres Maß an Wertschöpfung, Wettbewerbsfähigkeit und Souveränität geschaffen werden soll [6].

In diesem Zusammenhang wird auch die Fraunhofer FFB im Rahmen der Hightech Agenda ausdrücklich als zentraler Baustein berücksichtigt. Ziel ist es, eine industrielle Anbindung der Batteriezellforschung zu verbessern und somit den Transfer von Forschungsergebnissen in die industrielle Anwendung zu beschleunigen. Als offene Giga-Factory steht sie darüber hinaus auch für Kooperationen mit Industrie und weiteren Partnern zur Verfügung. 

© Fraunhofer FFB
Quellen

[1] Kuhnert, F., Van Arsdale, S. & Herlt, H. (2025). Die europäische Automobilindustrie im globalen Wettbewerb: Status quo und erwartete Entwicklung bis 2030+. In T. Korne & K. Schmidt (Hrsg.), Chancen und Risiken in der Automobilindustrie. https://doi.org/10.1007/978-3-658-48323-4

[2] Duffner, F., Krätzig, O. & Leker, J. (2020). Battery plant location considering the balance between knowledge and cost: A comparative study of the EU-28 countries. Journal Of Cleaner Production, 264, 121428. https://doi.org/10.1016/j.jclepro.2020.121428

[3] Takata, M., Nakagawa, K., Yoshida, M., Matsuyuki, T., Matsuhashi, T., Kato, K. & Stevens, A. J. (2020). Nurturing entrepreneurs: How do technology transfer professionals bridge the Valley of Death in Japan? Technovation, 109, 102161. https://doi.org/10.1016/j.technovation.2020.102161

[4] Künle, E. & Minke, C. (2020). Macro-environmental comparative analysis of e-mobility adoption pathways in France, Germany and Norway. Transport Policy, 124, 160–174. https://doi.org/10.1016/j.tranpol.2020.08.019

[5] Bundesregierung. (2026, 17. April). Entlastungen für Deutschland | Bundesregierung. Die Bundesregierung Informiert | Startseite. Abgerufen am 21. Februar 2026, von https://www.bundesregierung.de/breg-de/suche/entlastungen-fuer-deutschland-2386028

[6] Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt - BMFTR. (2026, 21. Januar). Neue Technologien entwickeln: Hightech Agenda Deutschland. https://www.bmftr.bund.de/DE/Technologie/HightechAgenda/HightechAgenda_node.html

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Achim Kampker MBA

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Prof. Dr.-Ing. Achim Kampker MBA

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Bergiusstraße 8
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